Eine bequeme Fahrt – Investitionsmöglichkeiten in der vietnamesischen Motorradindustrie

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Vietnam ist nicht nur für den enormen Markt, größtenteils für den Verkauf von Motorrädern, sondern auch für Massenproduktion bekannt. Dieser derzeitige Trend und das besondere Wissen veranlasst viele Auslandsinvestoren Vietnam als Exportbasis für die gesamte asiatische Region zu verwenden. Kenntnisse über die Eigenschaften des Marktes in Vietnam auf der einen Seite und die aktuellsten Daten zur Produktion von Motorrädern auf der anderen Seite, ist entscheidend für Investoren, die Erfolg in dieser dynamischen, aufstrebenden Wirtschaftsmacht anstreben.

Überblick über den Motorradmarkt in Vietnam

Die Zweiradindustrie hat seit langer Zeit in Asien einen aufstrebenden Markt gefunden. Weltweit hat sich der Industriemarktanteil in der östlichen Volkswirtschaft besser entwickelt als im Westen. Der 79 Prozent aller Motorräder weltweit werden in Asien verkauft, während der Verkauf in Amerika bei 18 Prozent und in Europa bei 3 Prozent liegt. In Asien sind vor allem China und Indien die zwei wichtigsten Absatzmärkte. Vietnam zählt zu einem der südostasiatischen Länder, die sich volkswirtschaftlich am besten entwickelt haben. Tatsächlich ist es der zweitgrößte Markt in der ganzen Region. Lediglich Indonesien liegt davor. Somit hat Vietnam den vierten Platz im Motorradmarkt weltweit erreicht.

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Obwohl sich der Verkauf von Motorrädern in Vietnam in den letzten Jahren verlangsamt hat, zählen die Zweiräder jedoch zu dem häufigsten Transportmittel und die Verbreitung der Motorräder steigt weiterhin an. Jährlich kommen etwa 3 Millionen neue Motorräder auf die Straßen. Nach offiziellen Angaben haben sich gegen Ende des Jahres 2014, in einem Land mit fast 90 Millionen Einwohnern, beinahe die Hälfte der Einwohner (43 Millionen) ein Motorrad registrieren lassen, d.h. jeder zweite Vietnamese besitzt ein Motorrad. Ho-Chi-Minh-Stadt, Vietnams größte Stadt, hat alleine über 6,8 Millionen registrierte Motorräder.

Angespornt von diesen Zahlen investieren viele ausländische Produzenten weiterhin in den vietnamesischen Markt und stellen neue Modelle vor. Ausländische Investoren machen 90 Prozent des Inlandsmarkts für Motorräder aus. Die fünf größten Handelsmarken sind japanische Marken wie Honda, Yamaha und Suzuki, italienische Marken wie Piaggio und die taiwanesische SYM.

Die wichtigsten Auslandsinvestoren

Honda dominiert den Markt mit einem Anteil von 60 Prozent. 1998 eröffnete Honda Vietnam den ersten Produktionsbetrieb in der vietnamesischen Stadt Phuc Thang – in der Provinz Vinh Phuc – etwa 30 Kilometer vom Zentrum der Stadt Hanoi entfernt. Mit einer Belegschaft von 3.560 Angestellten hat die Anlage eine Produktionskapazität von einer Million Einheiten pro Jahr. Im Jahr 2008 erweiterte Honda mit einem zweiten Produktionsbetrieb in derselben Umgebung. Mit 1.375 Beschäftigten ist der Betrieb auf die Produktion von Motorrollern und Motoren spezialisiert. Ende 2014 eröffnete Honda einen dritten Produktionsbetrieb in der Provinz Ha Nam, etwa 60 Kilometer von Hanoi entfernt, mit einer Produktionskapazität von 500.000 Motorrädern im Jahr.

Yamaha Motor etablierte einen Produktionsbetrieb im Jahr 1998 in Vietnam. Die Tochtergesellschaft Yamaha Motor Parts Manufacturing trägt seit 2006 die Verantwortung für die Produktion der Motorenbauteile. Die Fläche beträgt 100.000 km² und ist im Industriegebiet Thang Long Hanoi errichtet. Dort arbeiten mehr als 6.000 Beschäftigte.

Vergleichsweise kürzlich trat auch die italienische Marke Piaggio in den vietnamesischen Markt ein, welche die erste Fabrik im Jahr 2009 in der Vinh Phuc Provinz eröffnete. Im Jahr 2012 gründete Piaggio Vietnam eine zweite Fabrik mit Fokus auf Motoren für Motorroller. Zusätzlich vervollständigen sie die Produktion mit ihrer F&E Abteilung. Piaggio hat über 800 Mitarbeiter in Vietnam, was den Markt zu der drittgrößten Produktionslinie des Unternehmens hinter Italien und Indien führt. Die Produktionskapazität beträgt 300.000 Fahrzeuge pro Jahr. 2014 wurde Piaggio in Vietnam als bester Arbeitgeber im Anphabe & Nielsen Ranking ausgezeichnet. Im selben Jahr hat die lokale Behörde Piaggio ein „Certificate of Merit awarded to FDI” für die Beteiligung an der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung des Landes verliehen. In April 2015 hat Piaggio die Produktion des 500.000sten Motorroller gefeiert.

Auch Suzuki hat sich 1995 in Vietnam etabliert und begann im nächsten Jahr mit der Produktion von Motorrädern. Die erste Fabrik von Suzuki war in Bien Hoa, im Long Binh Techno Park, etwa 4 Kilometer von der Stadt HCM-City entfernt. Suzukis Fabrik in Vietnam, die ebenfalls Autos produziert, kann beinahe 100.000 Motorräder im Jahr produzieren.

Taiwans Sanyang Motor, welches Motorräder unter der SYM Marke produziert, eröffnete 1993 eine eigene Tochtergesellschaft in Vietnam und benannte es Vietnam Manufacturing & Export Processing (VMEP). Vietnam Suzuki sowie VMEP haben im südlichen Teil von Vietnam in der Bien Hoa Umgebung eine Fabrik mit beinahe 1.800 Mitarbeitern errichtet.

Trotz der großen Nachfrage innerhalb des Landes ist eine Investition in Vietnams Motorradindustrie eine große Herausforderung. Einerseits verursacht die Tatsache, dass fast die Hälfte der vietnamesischen Bevölkerung bereits ein Zweirad hat, ein hohes Risiko der Marktsättigung. In der Tat scheint es kein Zufall zu sein, dass obwohl der Markt weiterhin wächst, sich jedoch der Verkauf von Motorrädern verlangsamt. Zusätzlich zur Marktsättigung sollten Investoren auch in Betracht ziehen, dass die progressive Zunahme des Einkommens der wachsenden Mittelschicht viele Vietnamesen dazu drängt, das verdiente Geld in den Kauf von Autos zu investieren. Obwohl die Verkaufszahl von PKWs im Vergleich zu Motorrädern viel niedriger ist, gehört Vietnam zu den am schnellsten wachsenden Märkten in Südostasien. Der Autoverkauf hat sich faktisch im Jahr 2015 um fast 60 Prozent zum Vorjahr gesteigert.

Auf der anderen Seite gibt es auch eine klare Absicht der Regierung, die Anzahl von Motorrädern zu vermindern und Käufer zu entmutigen. Im März 2013 hat der Premierminister eine Neufassung des Plans zur Entwicklung des Straßentransports präsentiert. Ziel ist die Motorroller auf eine Gesamtzahl von etwa 36 Millionen Stück bis 2020 zu reduzieren. Aufgrund des chronischen Mangels an Verkehrsinfrastruktur in Vietnam, besonders in Großstädten, herrscht riesiger Verkehrsstau, welcher der Gesundheit der Einwohner schadet. Deswegen beschloss Hanois Kommunalverwaltung eine Kostenerhöhung für die Registrierung von Motorrädern.

Wie bereits erwähnt ist eine der angewandten Strategien von Motorrad-Herstellern die kontinuierliche Produktinnovation, um den Marktanteil im heimischen Markt Vietnams (sowie weiteren Märkten) zu erschließen. Im Jahr 2014 haben sich die fünf größten ausländischen Motorradproduzenten in Vietnam getroffen und mehr als zwanzig neue Versionen ihrer Modellen präsentiert, um die Nachfrage zu erhöhen.

Die zweite Strategie ist, Vietnam als Basis für die Produktion zu verwenden und den Export sowie den Verkauf in die anderen asiatischen Länder zu fördern. Diese Strategie ist natürlich nichts Neues.

Zum Beispiel ermöglichte die Eröffnung der Fabriken in Vietnam der italienischen Marke Piaggio einen neuen Markteintritt in Taiwan sowie, im Falle von ASEAN, in Ländern wie Indonesien, Thailand, Malaysia, den Philippinen und Kambodscha. Diese neue Situation und Gelegenheit zwingt die Hersteller, ihre „Made in Vietnam” Motorräder in andere Märkte zu verkaufen. Ein weiteres Beispiel, wie Honda, die Vietnam als Exportort nach Thailand, Laos, Kambodscha, Malaysia, Philippinen und Pakistan, aber auch nach Italien und Japan einsetzt. Die Einweihung der dritten Fabrik in der Provinz Ha Nam, welche im Jahr 2013 stattfand (als die Verlangsamung des Wachstums von dem vietnamesischen Motorradmarkt bereits erkennbar war), bestätigte Hondas Absichten sich mehr auf die Exporte zu konzentrieren.

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Einigen Umfragen zufolge erreichten Vietnams Motorradexporte im Jahr 2014 einen Wert von 342,4 Millionen USD. Weltweit steht Vietnam an der dreizehnten Stelle auf der Rangliste der größten Ausfuhrhändlerländer von Motorrädern. Auf regionaler Ebene steht Vietnam an sechster Stelle, nach China, Japan, Indien, Thailand und Taiwan. Außerdem ist Vietnam das erste Land der Welt in Bezug auf das schnellere Wachstum von Exporten von Motorrädern: Im Vergleich zu 2010 haben Exporte von Vietnam zu Auslandsmärkten um 471,4 Prozent zugenommen.

Ausländische Hersteller erhöhen daher weiterhin ihre Investitionen in Vietnam, da es ein attraktiver Markt auf dem Gebiet der Motorräder ist. Die Vorteile für die Produktion der Motorräder in Vietnam liegen in den niedrigen Lohnkosten durch niedrige Arbeitslöhne. Des Weiteren nutzen ausländische Investoren auch das vorhandene Netz der lokalen Zulieferer, die sich stark und gut etabliert haben. Günstige Wechselkurse und eine einfache Steuergesetzgebung (im Vergleich zu anderen asiatischen Wirtschaftsräumen) machen Vietnam zu einer guten Investitionsmöglichkeit für die Motorradindustrie.

Neue Horizonte: Das elektrische Zweirad

Seit Mitte der 2000er Jahre sind zweirädrige Elektrofahrzeuge in den vietnamesischen Markt eingeführt worden. Trotz anfänglicher Bedenken, auch dadurch, dass die ersten Produkte aus erster Linie aus China stammen und schlechte Qualität aufweisen, gab es in den letzten Jahren einen enormen Anstieg an Verkäufen im Inland. Von 2011 bis 2013 importierte Vietnam über 1.5 Millionen zweirädrige Elektrofahrzeuge. Unter diesen sind 70 Prozent elektrische Motorfahrräder und die restlichen 30 Prozent sind E-Bikes.

Nach vietnamesischen Gesetzen (insbesondere nach dem Rundschreiben Nr. 39/2013/TT-BGTVT welches im Jahr 2014 in Kraft getreten ist) gelten elektrische Motorfahrräder nur als solche, wenn der Motor einer Leistung niedriger als vier Kilowatt, ein maximales Gewicht von 118 Kilogramm und eine maximale Geschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde hat. E-Bikes jedoch sollen weniger als 40 Kilogramm wiegen, die Motorleistung darf nicht mehr als 0,025 kW betragen und nicht mehr als 25 km/h fahren.

Weltweit wird der E-Bikes Markt von China dominiert: Mehr als 95 Prozent der E-Bikes wurden in der Volksrepublik China produziert und verkauft. Trotz der derzeit geringen Größe des vietnamesischen elektrischen Zweiradmarktes, hat der große Spielraum für Wachstum dazu geführt, dass viele ausländische Hersteller in diesen Markt eingetreten sind, gefolgt von einigen lokalen Unternehmen, die begonnen haben mit Auslandsinvestoren zu konkurrieren. Vorerst jedoch werden 95 Prozent des vietnamesischen Marktes für Elektro-Fahrräder von ausländischen Herstellern beherrscht (80 Prozent von chinesischen und taiwanesischen Unternehmen und die restlichen 15 Prozent von japanischen und europäischen Herstellern).

Elektrische Fahrräder sind besonders attraktiv für junge vietnamesische Verbraucher. Gemäß vietnamesischen Gesetzen benötigen E-Bikes keine Registrierung und auch keinen Führerschein, so dass sie besonders für Studenten geeignet sind. Für eine so junge Bevölkerung wie die vietnamesische, sind die Aussichten auf einen wachsenden Markt für Investoren offensichtlich.

 

Bei Fragen zu Wirtschaftsthemen, Steuern, Buchhaltung und Unternehmensgründungen in Asien kontaktieren Sie bitte:

Fabian Knopf, Senior Associate, Head of German Desk, Dezan Shira & Associates Fabian.Knopf@dezshira.com

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Weiterführende Lektüre II

China-Plus Strategien: Indien, Thailand, Indonesien, Kambodscha: In unserer Serie „China-Plus Strategie“, stellen wir Ihnen die Möglichkeiten und Notwendigkeiten einer Expansion innerhalb Asiens vor. In dieser Ausgabe von Asia Briefing, legen wir die allgemeinen Handelsmerkmale Indiens, Thailands, Indonesiens und Kambodschas mit China bereit. Dazu stellen wir die signifikantesten Importe und Exporte dar und vergleichen bestimmte Kostenfaktoren. Ferner, präsentieren wir Ihnen einen Überblick gängiger Unternehmensstrukturen.

Bestimmungen zu Verrechnungspreisen in Asien: Die ökonomische Bedeutung von Verrechnungspreisen ist unangefochten. Das Ziel der Steuerbehörden lautet deshalb, die Interessen des jeweils eigenen Landes zu schützen und zu verhindern, dass Konzerne mithilfe der Verrechnungspreise sich Steuervorteile einräumen. Ein verstärktes Augenmerk wird deshalb auf eine detaillierte Dokumentierung von Transferpreisen gelegt, damit diese nachvollzogen und überprüft werden können, da letztlich nur so ein „faires“ Steuersystem möglich ist

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