Verlagerung nach Vietnam – Milderung der Auswirkungen des US-China-Handelskrieges

Posted by Written by Reading Time: 4 minutes

In den letzten Jahren haben sowohl chinesische Firmen, als auch ausländische, in China operierende Firmen ihre Produktionsaktivitäten zunehmend nach Südostasien, insbesondere Vietnam verlagert. Gründe dafür sind vor allem die steigenden Löhne, die Notwendigkeit der Diversifizierung und die Verlagerung des Fokus der Regierung von beschäftigungsintensiven Industrien auf die High-Tech Industrie.

Darüber hinaus belastet der eskalierende Handelskrieg zwischen den USA und China die chinesische Wirtschaft mit zusätzlichen Zöllen im Wert von 50 Milliarden US-Dollar. Dies beschleunigt den Trend ausländischer Investoren, ihre Lieferketten neu auszurichten.

Umleitung der Waren durch Vietnam

Aufgrund seiner geografischen Lage, niedrigeren Löhne, qualifizierten Arbeitskräfte, Handelsabkommen und der regionalen Anbindung hat sich Vietnam als eine der beliebtesten Alternativen für Produzenten herausgestellt. Die vietnamesische Regierung hatte erwartet, dass die Produzenten aufgrund der erhöhten Zölle auf chinesische Produkte versuchen könnten, Waren kurzfristig durch Vietnam umzuleiten, um die Exporte aufrechtzuerhalten.

Daher hat die Regierung mehrere Schritte unternommen, um die Herkunft der importierten und exportierten Produkte sicherzustellen. So bietet beispielsweise das Dekret Nr. 31/2018/ND-CP, welches im März 2018 in Kraft getreten ist, Bestimmungen bezüglich der Herkunft der exportierten und importierten Waren. Aufgrund von Problemen hinsichtlich der Produktherkunft erhöhte die US-Regierung im März 2018 die Zölle auf Stahlerzeugnisse aus Vietnam, welche ursprünglich aus China stammten.

Dies beweist, dass chinesische Exporteure ihre Waren zwar kurzfristig über Vietnam umleiten können, es aber langfristig nicht zu empfehlen ist. Stattdessen sollten sie sich auf andere, langfristig risikomindernde Strategien konzentrieren, um die Auswirkungen der laufenden Handelsstreitigkeiten so gering wie möglich zu halten.

Risikominderung

Hersteller in China können diese Risiken minimieren, indem sie ihre Produktion an andere, kostengünstige Standorte in Südostasien, einschließlich Vietnam, verlegen. Dies  wäre zeit- und kostenintensiv, da neue Lieferanten gefunden, Verträge neu verhandelt und Vermögenswerte verschoben werden müssten. Um die Handelsrisiken kurzfristig zu minimieren können Unternehmen neue Lieferanten hinzufügen und, wenn möglich, Tarif-Engineering-Strategien anwenden.

Tarifüberprüfung

 Bevor Unternehmen in Betracht ziehen sich aus China zurückzuziehen, müssen sie die Tarife genau überprüfen und die korrekte Klassifizierung der HS-Code für ihre Produkte sicherstellen. Darüber hinaus müssen sie sich auf die Zollbewertung konzentrieren, um den Wert importierter Waren zu bestimmen.

Dies wird nicht nur helfen, die erhöhten Kosten korrekt zu bestimmen, sondern bietet auch die Möglichkeit, Tarif-Engineering-Strategien einzusetzen.

Supply-Chain-Optimierung

Die US-Importeure müssen eng mit den Lieferanten zusammenarbeiten, um die genaue Herkunft der Produkte sicherzustellen. Dies gilt insbesondere bei Tier-2- und Tier-3-Lieferanten. Diese Zusammenarbeit wird ihnen nicht nur dabei helfen das Herkunftsland genau zu prüfen, sondern auch die Lieferkette zu diversifizieren um damit Abhängigkeiten zu vermeiden. Ein geografisch diversifiziertes Lieferantennetzwerk wird Unternehmen auch beim Management von Risiken wie Inflation und Währungsschwankungen helfen.

Sie können entweder einen Teil ihrer Lieferkette diversifizieren oder die Lieferkette basierend auf der Verfügbarkeit ähnlicher Lieferanten und Kosten in der Region komplett neugestalten.

Standortwechsel

Die Hersteller können ihre gesamte Produktion oder auch nur einen Teil davon in ein Drittland verlagern, welches nicht von den erhöhten Zöllen betroffen ist. Kurzfristig können sie einen Teil ihres Herstellungsprozesses in ein Drittland verlagern, wodurch sich die HS-Code Klassifizierung der in China hergestellten Halbfertigerzeugnissen ändert und sie damit niedrigeren Zöllen unterliegen könnten.

Letztendlich müssen sie sich darauf konzentrieren, ihre Produktionslinien vollständig in ein Drittland, wie z.B. Vietnam, zu verlagern. In den letzten Jahren sind große Elektronikfirmen wie Intel, Foxconn, LG und Samsung, aufgrund steigender Löhne in China, bereits nach Vietnam umgezogen. Darüber hinaus haben einige Einzelhändler wie Nike, Adidas und Puma ihre Produktion nach Vietnam und Kambodscha verlagert, um die Kosten zu senken. Der anhaltende Handelskrieg wird diesen Trend weiter beschleunigen.

Warum Vietnam?

Neben der geografischen Lage bietet Vietnam Herstellern, welche ihre Produktion aus China rausverlagern möchten, mehrere Vorteile.

 

Niedrigere Löhne

Durchschnittslöhne in Vietnam sind deutlich niedriger als in China, wo die Löhne in den letzten Jahren stetig gewachsen sind. Die Löhne betragen etwas mehr als die Hälfte von denen in Südostchina.

Qualifizierte Arbeitskräfte

Die Arbeitsqualität in Kombination mit der jungen Bevölkerung bieten Herstellern sichere Arbeitskräfte.

Freihandelsabkommen

Vietnam ist Teil mehrerer Freihandelsabkommen (FTA), welche dem Land einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Ländern der Region bringen. Vietnam ist nicht nur als Mitglied der ASEAN Teil der Freihandelsabkommen, sondern auch Vertragspartei wichtiger bilateraler Abkommen.

Bei den beiden neuesten Freihandelsabkommen, welche derzeit geprüft werden, handelt es sich um das Freihandelsabkommen EU-Vietnam und die umfassende und fortschrittliche Vereinbarung für eine Trans-Pazifische Partnerschaft (CPTPP).

Grenzwirtschaftszonen

Aufgrund ihrer gemeinsamen Grenze haben die beiden Länder mehrere China-Vietnam Handelszonen, wie zum Beispiel die Handelszone Longbang-Tra Linh und die integrierte Freihandelszone Guangxi Pingxiang entlang der Grenze, eingerichtet .

Weitere Handelszonen sind nahe der Grenze geplant, da sie in der Nähe der chinesischen Produktionszentren in der Provinz Guangdong und entlang des Jangtse-Deltas liegen.

Häfen und maritime Verbindungen

Vietnam, welches sich entlang der wichtigsten globalen Schifffahrtsrouten befindet, verfügte  2017 über 44 Seehäfen mit einer Gesamtkapazität von 470 bis 500 Millionen Tonnen pro Jahr. Obwohl die chinesischen Hafenkapazitäten viel höher sind, hat die vietnamesische Regierung damit begonnen, Milliarden in neue Häfen zu investieren und die Kapazitäten bestehender Häfen zu erhöhen.

Wichtige Häfen sind Hai Phong, Danang, Qui Nhon und Ho-Chi-Minh-Stadt. Zu den noch in der Entwicklung befindlichen Häfen zählen der My Thuy International Seaport, der Lien Chieu Seaport und der Lach Huyen International Gateway Port.

Verbindung mit China durch Eisenbahnen und Straßen

Aufgrund ihrer gemeinsamen Grenze ist die Verbindung von Schienen und Straßen zwischen China und Vietnam eine Schlüsselkomponente des bilateralen Handels zwischen den beiden Ländern. Die Eisenbahnlinien zwischen Kunming – Hai Phong und Nanchang Stadt – Hanoi, zusammen mit dem Kunming – Hai Phong Transportkorridor, welcher bereits in Betrieb ist, werden die Verbindung zwischen den beiden Nationen weiter erhöhen.

In Zukunft wird Vietnam aufgrund seiner niedrigeren Löhne und der vorhandenen Infrastrukturkapazitäten weiterhin beschäftigungsintensive Sektoren aus China anziehen. Vietnam muss sich jedoch darauf konzentrieren, seine Lieferketten weiter zu entwickeln und Industrien und Exportinfrastruktur zu unterstützen, um die großen Investoren, die nach alternativen Quellen und Standorten für die Produktion suchen, anzuziehen.


Vietnam Briefing is produced by Dezan Shira & AssociatesThe firm assists foreign investors throughout Asia and maintains offices in ChinaHong KongIndonesiaSingaporeVietnam, Indiaand Russia. 

Please contact vietnam@dezshira.com or visit our website at www.dezshira.com.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *